20.01.2017 – Ein rechter Handschuh

UNDO ● I. Aya
20.01.2017 ● Ein rechter Handschuh

 

Heute liegt ein Handschuh auf meiner Bank, ein rechter Handschuh, Marke: BIRETTI. Mit diesem Satz sollte der Tagebucheintrag auch schon enden. Ich hätte niemals beginnen sollen, Tagebuch zu schreiben. Lieber sollte ich die Grammatik des Baskischen studieren, die Plansprache Leicht Deutsch weiterentwickeln oder mit dem automatischen Schreiben beginnen.

Stattdessen erlebe ich den 7. Jänner 1994 wieder, besser gesagt, die uninteressantesten Minuten des 7. Jänner 1994. Der Trafikant war damals unfreundlicher als die Trafikanten heute. Ich kenne schon die Frau, die auf der Kreuzung zu den anderen beiden Frauen sagt: Es weiß sowieso schon jeder, dass er eine andere hat. Die Zeitungsmeldungen kenne ich auch schon alle. Obwohl ich heute, neben der Besprechung des Buches von Innenminister Löschnak einen Artikel entdecke, den ich noch nie gelesen habe. Der Artikel handelt vom Buch Pfeil der Zeit (im Original Time’s Arrow) des Engländers Martin Amis, in dem das Leben eines Mannes rückwärts, vom Tod bis zur Geburt, erzählt wird. Sozusagen ein Blog auf Papier ausgedruckt. Am Ende des Artikels wird der Autor mit den Worten zitiert: Der gute Schriftsteller erfindet eine Welt und gibt ihr eine Sprache. Das ist alles.

Es dauert, bis Barbara anruft. Was wirst du denn zu Abend essen?, fragt Barbara. Aber ich kann nichts anderes antworten als sonst. Ich sollte sagen: Barbara, wir müssen jetzt reden, nicht morgen. Jetzt sofort. Aber ich kann von nichts anderem sprechen, als von einer Pizza und der Pizzeria. Wie immer.

Ich kann auch keine Notiz schreiben und sie in das Buch Das Spiel legen. Ich kann auch nicht nicht losgehen, um die Pizza zu holen. Und ich kann auch nicht in die Pizzeria hineingehen, um die Pizza zu holen (Wie hieß nur die Pizza mit Schinken, Zwiebel und der Rahmsoße in der Mitte, die Barbara so gerne hatte?).

Punkt 18:00 Uhr läute ich bei Frau Dr. Stein. Wieder ein Tag, der nichts eingebracht hat. Zwei Tage, die nichts eingebracht haben. Nichts außer einem rechten Handschuh.

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