25.01.2017 – Die Pinguine schwitzen

UNDO ● I. Aya
25.01.2017 ● Die Pinguine schwitzen

 

Gestern um 18:38 Uhr im Park angekommen. -0,2 °C. Die Pinguine schwitzen. Die Pinguine schwitzen und die Trafikanten rauchen. Zumindest mein Trafikant raucht. Er raucht und raucht an derselben Zigarette. Er lebt in seiner Siebter-Jänner-Welt und ich kann ihn mir an keinem anderen Tag mehr vorstellen. 12 Schilling. Die Zeitung. Das Datum stimmt.

Über die Kreuzung und kurz den Monolog über die Präsidenten-Scheidung mitgehört. Die Pinguine schwitzen, der Bundespräsident raucht. Dann in die Wohnung. Die Telefonliste ist dieselbe. Wiener Oma: 4208832. Wir haben die Mutter meines Vaters immer Wiener Oma genannt. Die andere Oma, die niederösterreichische Oma, war einfach die Oma. Das Telefon läutet. Ich nehme den Hörer ab: Ja, bitte? — Da bist du ja! Es ist Barbaras Stimme. Wo warst du denn so lange? Ich wollte noch mit dir sprechen.

ICH: Und jetzt sprich mir nach: Barbara, ich möchte, dass wir das Kind bekommen.

ICH: Es geht nicht.

Jetzt bin ich im Nachtdienst, sagt Barbara. Was wirst du denn essen? Ich hole etwas aus der Pizzeria, sage ich. Wie immer sagt Barbara: Wie immer.

ICH: Sprich mir nach: Barbara, ich möchte, dass wir das Kind bekommen.

Barbara, sage ich, ich möchte, dass wir das Kind bekommen. Auf der anderen Seite der Leitung: Schweigen. Geräusche im Hintergrund. Entweder Barbara weint oder sie spielt mit dem Einweghandschuh. Manchmal brachte sie eine Box davon nach Hause. Ich mochte die Aufschrift auf der Schachtel: Nitril Einweghandschuhe — PUDERFREI. Ich … ich rufe dich später zurück, sagt Barbara. Geht jetzt nicht.

Ich sitze wie immer in der Küche. Das Buch Das Spiel liegt vor mir. Aus der Dose auf dem Fensterbrett nehme ich einen Bleistift.

ICH: Du darfst jetzt nicht in die Pizzeria gehen. Hörst du!

ICH: Was soll ich denn sonst tun?

ICH: Iss das Sushi aus dem Kühlschrank. Oder erzähl die Geschichte vom Flugpassagier, der eine Bombe mit an Bord nimmt, um das Risiko eines Anschlags zu vermindern.

Ein Mann muss eine Flugreise unternehmen, aber er hat Angst, dass das Flugzeug, mit dem er fliegen wird, Opfer eines Bombenanschlags werden könnte. Er ruft also bei der Airline an und fragt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass jemand eine Bombe mit an Bord nimmt. Die Auskunft lautet: eins zu zehn Millionen. 1:10.000.000. Das reicht dem Mann aber nicht. Es ist natürlich unwahrscheinlich, aber es könnte trotzdem passieren. Er ruft nochmals an und fragt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass zwei Passagiere eine Bombe mit an Bord nehmen. Der Mann von der Airline ist genervt, aber er bleibt sachlich und sagt, die Wahrscheinlichkeit wäre eins zu zehn Millionen mal zehn Millionen. Der Mann legt auf. Er errechnet, dass die Wahrscheinlichkeit somit 1:100.000.000.000.000, also eins zu hundert Billionen beträgt. Drei Tage später wird am Flughafen ein Mann gefasst, bei dem Versuch, im Handgepäck eine Bombe an Bord zu schmuggeln. Der Mann gibt bei seiner Verhaftung an, er habe nur das Risiko eines Bombenanschlags minimieren wollen.

Das Telefon läutet. Ich hebe ab. Ist alles in Ordnung?, fragt Barbara. Die Pinguine schwitzen heute, antworte ich. Sag es noch einmal, sagt Barbara. Die Pinguine schwitzen heute. Nein, nicht das. Das, was du bei meinem ersten Anruf gesagt hast.

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