26.01.2017 – Zeitunterschied

UNDO ● I. Aya
26.01.2017 ● Zeitunterschied

 

ICH: Du hast es geschafft. Du hast eine Notiz auf Seite 49 hinterlassen.

ICH: Zeig her! Was habe ich geschrieben?

ICH: Aya.

ICH: Was heißt das?

ICH: Im Türkischen heißt es Handfläche.

ICH: Der linken oder der rechten Hand?

ICH: Das verwechselst du sowieso. Auch die Geschichte mit der Bombe im Flugzeug musst du noch besser einlernen.

ICH: Ich habe den Text seit dreiundzwanzig Jahren nicht mehr gelesen. Bin ich sehr danebengelegen?

ICH: Ich lese vor.

Ein junger Mann will nach Übersee und muß daher — zum ersten Mal in seinem Leben — eine Flugreise antreten. In letzter Zeit hat er aber oft von Flugzeugentführungen und Bombendrohungen gehört, so daß er dieser Reise mit gemischten Gefühlen entgegensieht. Aus diesem Grund ruft er vorsichtshalber bei seiner Versicherung an, um sich nach dem Risiko der Flugreise zu erkundigen. Der Versicherungsagent rechnet ihm vor, wie klein die Wahrscheinlichkeit ist, daß ausgerechnet in seinem Flugzeug eine Bombe versteckt sei. Mit dieser Auskunft ist der Kunde jedoch keineswegs zufrieden. Eins zu zehntausend, eins zu hunderttausend oder auch weniger — das Risiko scheint ihm zu hoch. So fragt er den Versicherungsagenten, wie groß die Wahrscheinlichkeit sei, daß sich in seinem Flugzeug gleich zwei Bomben befänden. Die korrekte Antwort des etwas verblüfften Agenten lautet: die Wahrscheinlichkeit dafür entspreche dem Quadrat der vordergenannten Zahl. War jene eins zu zehntausend, so kommt für diese nur noch eins zu hundert Millionen heraus. Damit schien der junge Mann zufrieden zu sein. Einige Wochen später las der Versicherungsangestellte in der Zeitung, daß man bei einer Gepäckkontrolle am Flughafen im Koffer eines Passagiers eine Bombe gefunden habe. Und weiter: dieser Passagier habe vor dem Untersuchungsrichter beteuert, seine Bombe lediglich zur Verminderung des Risikos mitgeführt zu haben.

Eigen/Winkler: Das Spiel, München (Piper Verl.) 1985, S. 49

ICH: Im Großen und Ganzen stimmt das doch.

ICH: Barbara hat noch ein E-Mail geschrieben. Wann? Heute Morgen?

ICH: Der Zeitunterschied zwischen Indien und hier beträgt 4,5 Stunden. Für sie war es also zu Mittag.

ICH: Was schreibt sie?

ICH: Hat Aya sich in den letzten vierzehn Tagen wenigstens bei dir gemeldet?

 

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