01.05.2017 – Neun ist Null

UNDO ● IV. Rechenmaschine
01.05.2017 ● Neun ist Null

 

Es ist ein trauriger Erster Mai. Das Bedrückendste zuerst: Mein Bank ist weg. Wie befürchtet, ist die letzte nicht im Boden verankerte Bank offensichtlich endgültig entfernt worden. Man kann sie also weglassen.

In meiner Kindheit und meiner Jugend war das Tagesprogramm für den Ersten Mai fix: Zuerst der Maiaufmarsch. Dann besuchten wir meine Großtante Gertrude S*** im 18. Bezirk, um ihren Geburtstag zu feiern. Meine Großtante war Jahrgang 1898 und hatte am 30. April Geburtstag. Sie starb im Oktober 1993 im Alter von 95 Jahren. Ich hatte also genug Zeit, sie vieles zu fragen und habe doch das Wichtigste vergessen.

Meine Bank ist weg. Also gehe ich die Währinger Straße hinauf Richtung Gürtel, dann über den Gürtel und dann die paar Schritte bis zur Hans-Sachs-Gasse, wo meine Großtante gewohnt hat. Sie war diejenige, die alle Familie um sich scharte – immer wieder lernte ich bei ihr Cousins und Cousinnen kennen, die ich noch nie gesehen hatte, hörte Geschichten von Menschen, die ich nicht kannte, und die doch mit mir verwandt waren und waren, und war mit einer Zeit verbunden, die mir als Kind unwirklich entfernt schien.

Es muss doch möglich sein, für ein paar Minuten zurückzukehren, wenigstens zum 1. Mai 1993. An diesem Tag war ich bestimmt in der Wohnung meiner Großtante in der Hans-Sachs-Gasse. Heute hätte ich viele Fragen.

Witzig an meiner Großtante war auch, dass sie viele Erfindungen und Entdeckungen machte. Ich weiß nicht mehr wirklich, ob dieses Gesetz wirklich von ihr ist, aber sie zeigte mir als Kind oft, dass man beim Ermitteln von Quersummen, jede 9 weglassen konnte. Neun ist Null, sagte sie immer. Wenn man die Ziffern ihres Geburtstags (30.4.1898) zusammenzählt, kommt man auf die Quersumme 33, deren Quersumme 6 ist. Wenn man die 9 weglässt (30.4.188), kommt man auf die Quersumme 24, deren Quersumme 6 ist. Man kann natürlich auch 8+1 weglassen (30.4.8) – dann kommt man auf 15, also 6.

 

 

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