Leiter der Schweden-Hilfsaktion erschossen

UNDO ● V. Wartezimmer
Leiter der Schweden-Hilfsaktion erschossen

 

AYA: Ich kann mich genau an deine Erzählungen erinnern.

AYA: Wie geht es dir?

ICH: Du weißt ja; der November drückt auf mein Gemüt.

ICH: Waren wir den Bunker eigentlich gemeinsam besuchen, als du ein Kind warst?

AYA: Ich weiß du magst die Jahreszeit nicht.

ICH: Ich kann mich nicht erinnern.

ICH: Normalerweise vergesse ich so etwas nicht.

AYA: X

ICH: Was bedeutet X?

AYA: Dass sich unsere Nachrichten überkreuzt haben. Während du geschrieben hast, dass der November auf dein Gemüt drückt, habe ich geschrieben, dass du die Jahreszeit nicht magst, bevor ich deine Nachricht gelesen habe.

AYA: Seltsam. Du vergisst doch sonst nichts.

ICH: X.

AYA: X.

ICH: Jetzt also XX.

AYA: Hihi.

AYA: Schau, was ich beim Suchen im Netz gefunden habe. Das ist aus der Arbeiterzeitung vom 13. Juni 1947.

Der Wiener Leiter der Schweden-Hilfsaktion erschossen

Vom russischen Posten an der Grenze – Der Leiter des schwedischen Hilfswerkes in Österreich schwer verletzt

(APA.) Als der Leiter des schwedischen Hilfswerkes in Österreich, Dr. Arneus, und sein Stellvertreter Arne Karlsson, in einem Auto Mittwoch Abend nach Passieren der tschechoslowakischen Grenze auf österreichisches Gebiet kamen, wurden in der Nähe der Aluminiumfabrik bei Berg Schüsse auf das Automobil abgefeuert, wodurch Karlsson tödlich und Dr. Arneus schwer verletzt wurden.

Der schwedische Geschäftsträger in Österreich hat sich zeitig früh an die Unglücksstelle begeben.

Wie die schwedische Gesandtschaft mitteilt, hat Dr. Arneus angegeben, daß er sich auf einer Autoreise von Ungarn über österreichisches Gebiet nach der Tschechoslowakei befand, wobei ein Weg von Kittsee nach Berg benutzt wurde. Dabei wurde eine Absperrung bemerkt, weshalb das Auto wendete.

Ein hinter der Absperrung stationierter russischer Posten hat angegeben, daß er das Auto durch Zurufe anzuhalten versuchte, die aber von den Reisenden im Auto nicht vernommen wurden. Der Posten gab daraufhin Feuer.

Dabei wurde der Führer des Autos, Arne Karlsson, Leiter der schwedischen Hilfsaktion in Wien, tödlich getroffen.

*

Der tragische Zwischenfall wird in Österreich umso mehr bedauert werden, als die beiden Betroffenen als Leiter einer schwedischen Hilfsaktion in weiten Kreisen bekannt geworden sind und sich durch ihre umsichtige und unermüdliche Tätigkeit im Dienst der Fürsorge für Österreichs Kinder den Danke der gesamten Bevölkerung erworben haben.

Die österreichischen Sozialisten verzeichnen mit besonderer Trauer, daß Arne Karlsson ein schwedischer Sozialdemokrat, ein Vertrauensmann unserer schwedischen Bruderpartei war, der sein Hilfswerk in unserem Lande, bei strengster Objektivität, im Geiste internationaler sozialistischer Solidarität auffaßte. Der Stolz, daß es ein schwedischer Sozialdemokrat war, der sich so große Verdienste um Österreichs leidende Bevölkerung erwarb, erhöht unseren Schmerz.

Arne Karlsson

Zu dem tragischen Tod des Leiters der schwedischen Hilfsaktion in Wien wird uns noch mitgeteilt:

Arne Karlsson war einer der aktivsten Funktionäre des Sozialdemokratischen Jugendverbandes Schweden. Während des Krieges stand er in engster Verbindung mit den österreichischen sozialistischen Emigranten. Wenn eine schwierige Arbeit zu übernehmen war, wenn es den Kontakt mit der Heimat aufzunehmen galt, dann konnten sie sich immer auf Arne Karlsson verlassen. Nach der Befreiung kam er als Delegierter des schwedischen Jugendverbandes zur österreichischen Sozialistischen Jugend. Er nahm auch als Gastdelegierter am ersten Parteitag der Sozialistischen Partei 1945 teil. Nach seiner Rückkehr nach Schweden schrieb er im Organ des schwedischen Jugendverbandes „Frihed“ eine Artikelserie über Österreich: damals wußte man in Schweden so gut wie nichts über die wirklichen Verhältnisse in Österreich. Karlssons Artikel fanden deshalb weit über den Rahmen der Jugendorganisation hinaus größtes Interesse. Tief beeindruckt von dem Elend der Wiener Kinder, entschloß sich Genosse Karlsson, nach Wien zurückzukehren und seine ganze Kraft in den Dienst der Schwedenhilfe zu stellen. Seine Frau, eine geborene Österreicherin folgte ihm bald und arbeitete mit ihm gemeinsam in dieser Hilfsaktion.

Wir übermitteln Genossin Karlsson und der schwedischen Partei das tiefe Mitgefühl der ganzen österreichischen sozialistischen Bewegung.

 

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