Ein Punkt auf der Niere

UNDO ● V. Wartezimmer
Ein Punkt auf der Niere

 

Nachdem Frau Mahdavian das Behandlungszimmer verlassen hat, erscheint Frau Doktor Haupt lange nicht im Wartezimmer. »Glaubst du wirklich, dass Margit sich auch eine Geschichte über mich ausdenkt?«, fragt Aya. »Warum fragst du mich noch einmal?«, fragt der Vater. Aya ist lange still.  »Und was denkt sie über mich?«, fragt Aya. Der Vater lacht: »Das kannst du sie doch fragen; sie sitzt da drüben.« Aya überlegt lange.

»Ich glaube …«, sagt Aya. »Beistrich«, sagt der Vater. »Ich glaube, dass Margit denkt, dass nicht ich krank bin, sondern du.« Nun ist es wieder still im Wartezimmer. Eine Frau betritt die Arztpraxis und meldet sich bei der Sprechstundenhilfe an, die ihr sagt, dass sie in einer Stunde wiederkommen soll. »Was fehlt mir denn?«, fragt der Vater. »Ich glaube … Beistrich … Margit denkt … Beistrich … dass du Nierenschmerzen hast«, sagt Aya. »Wo ist denn die Niere überhaupt?«, fragt der Vater. »Ich weiß es nicht, aber vielleicht weiß es Margit«, sagt Aya.

»Ich weiß es: Margit glaubt, dass ich einen Punkt auf der Niere habe«, sagt der Vater. »Nicht einen Beistrich, sondern einen Punkt. Einen schwarzen Punkt«, sagt Aya. »Einen Punkt, der so dick ist«, sagt der Vater, »dass die Frau Doktor glaubt, dass alles aus ist.« Aya lacht. »Gibt es das wirklich, einen Punkt auf der Niere?«, fragt sie. »Ich bin doch kein Arzt. Ich weiß es nicht.«, sagt der Vater, »aber nachdem du bei der Frau Doktor warst, werde ich mich auch gleich untersuchen lassen. Vielleicht ist da wirklich ein Punkt.«

In diesem Moment kommt Frau Dr. Haupt und ruft die nächste Patientin auf: »Frau Ünlü bitte!« Nachdem Frau Ünlü mit Dr. Haupt verschwunden ist, muss Aya lachen.  »Warum lachst du?«, fragt der Vater. »Frau Ünlü hat gleich zwei Ü in ihrem Namen«, sagt Aya immer noch lachend.  »Na und?«, sagt der Vater. »Das Frühstück hat auch zwei Ü im Namen. Außerdem hätte ich lieber zehn Ü in meinem Namen als einen Punkt auf der Niere.«

»Du kennst natürlich auch Frau Ünlü«, sagt Aya. »Natürlich«, sagt der Vater, »jeder kennt Frau Ünlü.« Und er erzählt die Geschichte über

 

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