Kolosseum

UNDO ● V. Wartezimmer
Kolosseum

 

AYA: War ich einmal mit dir im Kolosseum-Kino?

ICH: Wir waren öfter mit dir dort.

ICH: Aber du warst noch klein. Das Kino wurde im Jahr 2002 geschlossen.

AYA: Und dort ist heute ein Supermarkt?

AYA: Aber links steht doch noch Colosseum.

ICH: Das ist das Kolosseum-Buffet. Das gibt es immer noch.

AYA: Einmal mit K und einmal mit C. Wie bei Arne Karlsson.

AYA: Unter Colosseum steht: Seit 1925.

ICH: Das Kino soll es angeblich schon seit 1898 gegeben haben.

ICH: Ich habe einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1900 gefunden:

* Ein Zwischenfall im Kolosseum. Mittwoch Abends ist beim vorletzten Bilde der Vorführungen des Biographen im Wiener Kolosseum „Der Traum des Astronomen“ der Celluloidfilm in Brand geraten. Im Parterre und in den Logen machte sich einige Aufregung bemerkbar, doch beruhigten sich die Gemüther sofort, als das Feuer fast augenblicklich gelöscht war und der Sohn des Direktors Regisseur Blasel jun. beschwichtigende Worte sprach. Es wird zur Beruhigung des Publikums beitragen, wenn man erfährt, wie außerordentliche Sicherheitsmaßregeln getroffen wurden, als der Apparat seinerzeit durch die städtische Feuerwehr besichtigt wurde, und wie nun alles vorzüglich klappte. Der Apparat befindet sich in einer kleinen Hütte, die aus Holzwänden besteht, die innen mit Asbest ausgekleidet sind. Laut Instruktion hatten Löschmänner mit ausgelegten Schlauchlinien beim Apparat zu stehen, und wie es die Instruktion erforderte, standen auch, als der Film in Brand gerieht, rechts und links der Löschmeister der städtischen Feuerwehr Schenkel und der Löschmeister der Kolosseum-Feuerwache Beeß mit zum Spritzen bereiten ausgelegten Schläuchen beim Apparat, so daß es nur des Aufdrehens des Hydranten bedurfte, um die Wassermassen in die leichte Flamme zu schleudern. Oberinspektor Chitil hatte ferner bei der seinerzeitigen Feuerkommission angeordnet, daß eine Leitung vom Apparat zur Bühne gehen müsse, so daß wenn sich irgendein Schaden ergebe, sofort das Signal gegeben werden könne, damit die Beleuchtung im Zuschauerraum, die während der Biographproduktion auf ein Mindestmaß beschränkt ist, wieder funktionire. Und thatsächlich wurde das Zeichen prompt gegeben, und im selben Augenblick erstrahlte der eben noch finstere Zuschauerraum in elektrischem Licht, was auch wesentlich zru Beruhigung beitrug. So kam es, daß nur der Apparat beschädigt wurde und die Asbestauskleidung des Holzmantels geschwärzt war. Als Blasel jun. die beschwichtigenden Worte sprach, ist auch jede Spur von Aufregung geschwunden. Dieser Erfolg ist ebensosehr den trefflichen Anordnungen der Feuerwehr zu danken, die prompt befolgt worden sind. Der von der städtischen Feuerwehr entsendete Exerziermeister Schöppel konstatirte, als er um 1/4 1 Uhr ins Haus kam, noch etwas Rauch in den Logen und auf der Galerie, stellte aber zugleich fest, daß alle Vorschriften in bester Weise befolgt waren. Die Entstehungsursache des Brandes dürfte darin zu suchen sein, daß sich an herausschlagenden Flammen die Films entzündeten.

Arbeiter Zeitung vom 26.01.1900

AYA: Aufregend.

ICH: Da ist ist eine Katze als Bürgermeister schon spannender.

AYA: Kein Wunder, dass man Nachrichten mit Katzen erfindet.

ICH: X.

AYA: Hier heißen die Feuerwehrmänner nicht Pompiers.

 

 

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