Sogar mein Chauffeur

Sogar mein Chauffeur

Die Fragen, die gestellt wurden, waren immer die selben. Wer eine Diskussion gehört hatte, kannte sie bereits. Zum einen waren es oft gar keine Fragen, sondern selbsternannte Wissenschafter wollten ihre Erkenntnisse loswerden, zum anderen wurde nach Quellen gefragt oder – sehr häufig sogar – wie den Realitätsgehalt des Hollywoodfilms Amadeus von Milos Forman einschätze, besonders im Hinblick auf Antonio Salieri.

Es gab also keinen Grund zur Beunruhigung, sondern eher herrschte Langeweile bei mir auf dem Podium. Dann aber meldete sich ein älterer Herr zu Wort, dessen Sächsisch ich zunächst schwer verstehen konnte. Der Vortragende, sagte er, habe von einem Aufenthalt Mozarts in Leipzig und seiner Beschäftigung mit Bach gesprochen. Ob der Vortragende denn diesen Besuch in dieser Stadt datieren und Quellen dafür nennen könne?

Erst in diesem Augenblick verstand ich, dass ich das Wort Leipzig im Vortrag mehrmals ausgesprochen hatte, ohne dass mir klar gewesen war, dass wir uns in dieser Stadt befanden. In Zürich, Basel, Karlsruhe, Stuttgart, München und all den anderen Städten war dieser Stelle des Vortrags keine solche Bedeutung beigemessen worden. Nun aber hatte man das Wort Leipzig mehrmals in Leipzig selbst fallen lassen und da war es naheliegend, dass jemand aus Leipzig sich dafür interessierte. Doch weder das Jahr von Mozarts Leipzig-Aufenthalt, noch wo dieser erwähnt worden war, waren mir geläufig.

»Der werte Herr stellt die Frage«, sagte ich zum Auditorium, »wann Mozart sich in Leipzig befand und aus welchen Quellen wir Berichte darüber erhalten. Diese Frage ist so trivial, dass sogar mein Chauffeur, der hier in der ersten Reihe sitzt, sie beantworten kann.« Und damit zeigte ich auf Stephan Protschka.

Stephan spielte mit. Mit grinsendem Gesichtsausdruck drehte er sich in der ersten Reihe gegen das hinter ihm sitzende Publikum, erzählte von Alexander Ulibischeff, der in seinem Buch schreibt, dass der Hofrat Rochlitz über Mozarts Aufenthalt in Leipzig berichtete, nannte klar das Jahr 1789 als Besuchsjahr und verbeugte sich dann ein wenig gegen das Publikum, nicht ohne danach zu mir herauf zu sehen.

Es folgten noch zwei oder drei Fragen, die aber keine Probleme mehr machten. Ich ging an den Büchertisch, wo sich bereits eine Reihe von Menschen anstellte, um das Buch signieren zu lassen. Das Auditorium fasste etwa dreihundert Personen. In der Schlange standen mindestens hundert Menschen.

 

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