I Promised Myself

I Promised Myself

Ich war wieder Chauffeur. Diesmal aber nicht der Chauffeur des eitlen Schwätzers, mit dem ich an diesem Abend Rollen getauscht hatte, sondern der Chauffeur einer wahnsinnigen Anhängerin des Schwätzers. Hätten wir nicht Rollen getauscht, könnte ich jetzt schon schlafen, dachte ich. Es dauerte nicht lange, bis wir bei der Liegewiese ankamen. Christiane zog sich aus und schon war sie im Wasser. Kurz legte sie sich auf den Rücken und winkte mich zu sich. Ich beschloss, am Ufer sitzen zu bleiben.

Es muss Neumond gewesen sein. Es war sehr dunkel und ich hatte immer schon Angst, bei Dunkelheit in einem Gewässer zu schwimmen. Ich war also froh, am Ufer geblieben zu sein. In der Ferne hörte ich zwei Stimmen. Bald kam sie wirklich mit einer zweiten Frau zurück, einer klein gewachsenen jüngeren Frau, die kreischte, als sie bemerkte, dass ich auf der Liegewiese saß. Christiane wickelte ein Badetuch um die andere Frau, redete auf sie ein, dass ich ein Freund sei und half ihr beim Ankleiden. Das war eine komplizierte Angelegenheit. Das Kleid, dessen helle Farbe ich nicht erkennen konnte, wurde mit horizontalen Schnüren festgezogen.

Kaum aber waren die zwei Frauen damit fertig, spürten wir die ersten Regentropfen. Christiane schlüpfte in ihr Gewand und ein starker Regenguss begann. »Schnell ins Auto«, sagte ich. Christiane führte die junge Frau, die beim Laufen den Rock mit beiden Händen halten musste, zum Wagen. Ich sperrte auf. Die beiden Damen saßen auf dem Rücksitz, ich vorne und der Regen prasselte auf das Auto.

»Was ist dies für eine Kammer?« So oder ähnlich fragte die Frau, die eher einen deutschen Akzent hatte. Das konnte niemals Constanze Mozart sein. Da niemand redete, schaltete ich das Autoradio ein. Und weil Protschka nicht da war, hörte ich die Bach-Motetten von einer Musikkassette. Auf dem Rücksitz war es lange still. Dann sagte die fremde Frau: »Woher kömmt die Musique?« Ich stoppte die Kassette, zog sie aus dem Autoradio und gab sie der Frau. Dann schaltete ich auf Radio um. Zu dieser Zeit lief im Radio ständig der Charthit I Promised Myself, den Interpreten habe ich vergessen. Protschka hörte diesen Song gerne und begann dabei immer mit dem Kopf mitzuwippen. Das taten Christiane und ich jetzt auch. Ich machte die Musik lauter. Christiane und ich lachten. »Ich muss gehen«, sagte die fremde Frau, als der Song zu Ende war. Jetzt erst begriff ich, dass sie nicht wusste, wie man die Autotür öffnete; wahrscheinlich hatte sie schon lange flüchten wollen. »Bitte«, sagte sie. Ich stieg aus und öffnete die Hintertür. Trotz des strömenden Regens stieg sie sofort aus und lief davon.

 

 

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