Königin der Berge – buch.wien

So 11.11.2018 14:00

Lesung

Daniel Wisser

Königin der Berge

Moderation: Mia Eidlhuber

Ort: buch.wien, Messe Wien (Halle D), Der Standard-Bühne, Messeplatz 1, 1020 Wien

buch.wien

Wer Königin der Berge nach zugleich launiger und trauriger, auf jeden Fall aber kurzweiliger Lektüre weglegt, der fühlt sich nachgerade genötigt, sich die Fragen, die der Roman aufwirft, selbst zu stellen: Lebe ich mein Leben so, dass ich später gerne drauf zurückblicke? Was wäre, wenn mich eine tödliche Krankheit aus dem Alltag risse? Würde ich mich gegen die Widerstände meiner Mitmenschen durchsetzen und Suizid begehen?
Daniel Wisser hat mit dem Multiple-Sklerose-Roman Königin der Berge – der Titel steht metaphorisch für die tödliche Krankheit – ein richtiges Herbst-Buch geschrieben. Das Pflegeheim, das hier zum Mikrokosmos der Vergänglichkeit wird, hat er offenbar gründlich erforscht.

http://www.falter.at/

Sebastian Gilli (FALTER)

Es ist die Polyfonie, welche die Qualität des Romans ausmacht. Wisser geht einen Schritt weiter und baut auch typografische Varianten ein: Durchstreichungen, Schwärzungen und Doppelspalten (links das Ausgesprochene, rechts in gehöriger Diskrepanz das vom Sprecher dabei Gedachte). Königin der Berge ist ein vielfältiger, vielstimmiger, unterhaltsamer Text, dem Kalauer nicht abgeneigt, nicht zuletzt auch ein spannender Text.

Wolfgang Straub (Die Presse)

Es wäre dies kein Roman von Daniel Wisser, würde er nicht ein paar Erwartungen und Konventionen unterlaufen. Dieses Buch ist vieles, ein todtrauriges Buch über Krankheit und Sterben ist es nicht. Es wäre dies auch kein Roman von Daniel Wisser, würde er mit seinem Werkzeug, der Sprache, nicht außerordentlich virtuos umgehen. Damit ist gemeint, dass man diesen Roman gern liest und ihn zuschlägt mit der Gewissheit, dass das Leben schön uns lebenswert ist. Das muss man erst einmal schaffen. Er findet daneben aber auch eine sprachliche Form, die unaufgeregt und ohne große Pose zeigt, was sich in Worten niemals so eindringlich vermitteln ließe: die Macht der Tabus.

https://derstandard.at/2000085536167/Koenigin-der-Berge-Das-Leben-ist-grausam-und-lebenswert

Andrea Heinz (Der Standard)

Wissers Roman zählt zum Gelungensten und Berührendsten, das in den vergangenen Jahren über Krankheit und Tod, Lieben und Leiden geschrieben wurde. Wisser hat eine eigenwillige, doch bestechende Form für sein Thema gefunden und schafft es, Roberts Insistieren auf sein Recht, einem absehbaren, qualvollen Siechtum durch ein selbstbestimmtes Sterben zu entkommen, so viel Tragikomisches mitzugeben, dass man sich szenenweise in einem Film von Woody Allen oder Roberto Benigni wähnt.
Turins Königin der Berge ist grausam und unbestechlich. Wissers Königin der Berge hingegen zeigt bestechend, wie traumwandlerisch sicher man über Tod und Leben schreiben kann, ohne je in Absturzgefahr zu geraten. Ein souveräner literarischer Gipfelsieg.

Wolfgang Huber-Lang (APA)

Es gibt diese Bücher, von denen man wünscht, dass sie nicht zu Ende gehen mögen. Auf Königin der Berge trifft das in mehrfacher Hinsicht zu. Eine Kostbarkeit, hoch sensibel und gerade ob ihrer Nüchternheit herzzerreißend. Der Schriftsteller kann mitempfinden, die Empathie stirbt zuletzt.

Volksblatt

Christian Pichler

Der Schriftsteller Daniel Wisser greift eines der letzten Tabus unserer Zeit auf: den Freitod. Königin der Berge heißt sein neues Buch, das seit Mittwoch auch auf der Longlist für den Österreichischen Buchpreis steht. Es handelt von einem Mann, der unheilbar an Multipler Sklerose erkrankt ist. Herr Turin, so der Name des im Rollstuhl sitzenden Protagonisten, findet, dass es Zeit ist zu gehen.

Daniel Wisser bricht mit seiner Geschichte nicht nur das allgemeine Schweigen über Suizidversuche im Pflegemilieu, er bricht überhaupt gleich mit sämtlichen Erwartungen und Konventionen. Und zwar, indem er Leben und Sterben des kranken Herrn Turin bis zum Ende – mit Witz erzählt.

https://oe1.orf.at/programm/20180907/526331

Christa Eder (Ö1/Leporello)

Der in Klagenfurt geborene und in Wien lebende Schriftsteller und Musiker, Daniel Wisser, legt mit „Königin der Berge“ einen Roman am Puls der Zeit vor, der die großen aber stillen Themen moderner Gesellschaft – Einsamkeit und Hilflosigkeit angesichts der Kontingenz des Lebens – in direkter, authentischer und mitreißender Erzählform aufnimmt. Wisser schafft es in beeindruckend spielerischem Sprachstil (Narration, Dialog) das persönliche Ringen mit Krankheit zwischen innerer Zerrissenheit und vorgeschobenem Schutzschild täglicher Masken des überzogenen Selbstbewusstseins eindringlich, bis zur Lese-Gänsehaut, darzustellen. Ein Roman, der sicherlich einer der bemerkenswertesten Entdeckungen des Jahres ist.

literaturoutdoors.com

Walter Pobaschnig

Der Endvierziger plant, sich in der Schweiz würdevoll in den Freitod zu retten. Daniel Wisser schildert in kurzen Kapiteln anekdotisch entscheidenden Momente in der Umsetzung dieses Plans. Der Texthybrid hat mehr von einem Drehbuch als von einem Roman. Daniel Wisser skizziert Bilder, die im Kopf der Lesenden zu laufen beginnen. Und damit wird der Autor seinem Anspruch gerecht, sein Schreiben formal stets neu und immer anders erscheinen zu lassen.

Reinhard Kacianka (Die Brücke)

Daniel Wisser bringt ein mehrfaches Kunststück zuwege: Nicht nur, dass er sich der beiden denkbar schweren Themen Freitodbegleitung und Suizid auf ebenso klare wie unvoreingenommene Weise annimmt. Es gelingt ihm zudem, den Alltag von Patienten, Pflegerinnen und Angehörigen auf eine witzig-unterhaltende Weise darzustellen. Das soll ihm erst Mal jemand nachmachen.

Christian Ankowitsch

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