17.12.2020 – Wir sind keine Metzger

17. Dezember 2020

 

Suizidhäufigkeit und Alkoholismus unter Metzgern ist ein steile Vorlage für eine Kurzgeschichte. Andererseits würde gerade eine solche Geschichte gut zum diesjährigen Weihnachtsunfrieden passen.
Der Film Wir sind keine Engel gehört für mich seit vielen Jahren zur Weihnachtszeit. Eine Boulevardkomödie, wie sie heute niemand mehr schreiben kann. Eine Komödie mit brutalen Seiten: Einem Verwandten den Tod zu wünschen und diesen Wunsch just Weihnachten erfüllt zu bekommen — das klingt nicht nach einer Komödie. Und doch schafft es dieser Film, daraus etwas Leichtes, wenn auch nicht Seichtes zu machen.
Wir sind keine Metzger. Das ist vielleicht für heute der passendere Titel. Ich muss die Gegenfrage stellen: Sind wir keine Metzger? Die drei Sträflinge, die im Film zu Engeln werden, bekommen am Ende ihren Heiligenschein. Woher sollten wir ihn heute nehmen?
Für mich gibt es dieses Jahr nur ein Weihnachtswunder: Wenn jemand nach Lesbos fliegt und auch nur einen kranken Menschen aus den Lagern dort nach Österreich bringt, um ihn hier zu pflegen und zu betreuen; wenn jemand anstatt Absichtserklärung und Empörung diese Tat vollbringt, auch wenn sie oder er damit gegen die Rechtsstaatlichkeit verstößt. Wahrscheinlich, ziemlich sicher sogar, wird es dieses Weihnachtswunder nicht geben. Und ohne Wunder keine Weihnachten.

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Beten reicht nicht, Taten zählen!

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Zuerst veröffentlicht unter

Blog Daniel Wisser