18.05.2018 – Bienenfrage

UNDO ● VI. Frankfurter
Bienenfrage

 

Angeblich ist man im Mai verliebt. Angeblich passieren am Freitag die meisten Bankraube. Der Mai hat aber zu viele Feiertage, um verliebt zu sein oder eine Bank auszurauben, denke ich, als ich die Zeitung vom Freitag, 2. April 1993, gekauft habe und mich schnell auf den Weg in die Lazarettgasse mache.

Ich denke heute nicht an Bill Wyman, ob er nun sein eigener Enkel ist oder nicht. Heute fällt mir ein Name nicht ein. Der Name eines Mannes der ebenfalls ein vereinfachtes Deutsch erfunden hat, so wie ich. Ich habe darüber in einer Zeitung aus dem Jahr 1884 gelesen. Bei einem Kongress wurden damals die sprachen Weltlatein, Weltdeutsch und Volapük miteinander vergleichen. In dem Artikel wird der Satz

Hast du einen größeren Wohlthäter unter den Tieren als mich?, fragte die Biene den Menschen.

in diese drei Sprachen übersetzt.  Und die Ergebnisse lauten:

Weltdeutsch:

Hast du einen großen woltäter unter die tirs als mich?, das bine fragte den mensch.

Weltlatein:

Las-at una grandio boneficora inter les animales vam ma?, interrogat le ap la gomona.

Volapük:

Li-lábol benodeli gleti kum bev nims ka obi?, äfäkom meni bien.

Da bin ich mit einfach deutsch gar nicht so weit vom Weltdeutschen entfernt. Nach meiner jetzigen Grammatik würde der Satz lauten:

einfach deutsch:

haab duu ein meer gros wooltääter unter de tiirs als mii?, de biine fragte de mensch.

Als ich bei der Lazarettgasse an der Ampel warte, höre ich wieder rufe von der Straßenbahnhaltestelle. Ich sehe die junge Frau, die mir zuwinkt. Aber mir fällt nicht ein, wie sie heißt. Sie geht über die Straße auf mich zu.

 

Weiter >>>

<<< Zurück