30.06.2020 – Liste HierkönnteIhrNamestehen

Liste HierkönnteIhrNamestehen

Roland Düringer hat das Publikum der Wahlkampfberichterstattung im Jahr 2017 einigermaßen erstaunt. Als er nach den Programmpunkten der Liste Düringer gefragt wurde, antwortete er: Er kenne sie nicht; die würde eine Bürgerplattform nach der Wahl festlegen. Mit 0,95 Prozentpunkten schaffte die Liste Düringer den Einzug in den Nationalrat nicht. Doch der Misserfolg der Partei kann nicht der Philosophie des moving target geschuldet gewesen sein; denn ÖVP und FPÖ machten es ebenso.

Die FPÖ hatte vor der Wahl verkündet, eine Volksabstimmung über CETA sei Koalitionsbedingung. Nach der Wahl war keine Rede mehr davon. Herbert Kickl hatte das Sicherheitspaket der ÖVP immer als „DDR 4.0″ abgetan – nach der Wahl setzte er es um. Die ÖVP war nicht weniger dynamisch. Am 26. November 2017 verkündete Elisabeth Köstinger, man solle keine Angst vor direkter Demokratie haben, diese werden nun behutsam implementiert. Justizminister Moser kündigte an, ein Drittel aller Gesetze zu streichen. Bundeskanzler Kurz kündigte noch am 12. Mai 2019 an, 1000 EU-Verordnungen zu streichen, wobei der damalige Kanzleramtsminister Gernot Blümel präzisierte, dass man es besonders auf die Pommes-Verordnung abgesehen hatte. All das geschah nicht. Aber warum?

Es muss klar sein, dass käufliche Politik auch einen Verkaufsvorgang impliziert. Und nachdem der Kunde König ist, kann der Geschäftsmann (also der Politiker) nicht wissen, was der Kunde morgen haben wollen wird. Indizien dafür finden sich in der Sprache: Da ist die Rede davon, dass die Politik heutzutage liefern muss. Und da heißt es: Wer zahlt schafft an. Womit bestimmt nicht die Steuerzahler gemeint sind, die der Firma KTM oder der Andritz Gruppe sowohl die Kurzarbeit als auch die Dividenden an die Aktionäre finanzieren.

Wenn man jetzt davon liest, dass Gesetze zum Verkauf stehen, ja sogar Mandate verkauft werden, dann wäre es nur transparent, eine Partei als zum Verkauf stehende Fläche Liste HierkönnteIhrNamestehen zu nennen. Dann kann der Höchstbieter bereits im Namen sichtbar werden. Gegen Sporttaschen und Rucksäcke voller Bargeld bekommt er dazu Mandate, Gesetze und Verordnungen. Ja, eigentlich ist die Österreichische Bundeshymne für eine Verkaufsfläche prädestiniert:

Land der HierkönnteIhrNamestehen,
Land der HierkönnteIhrNamestehen,
Land der HierkönnteIhrNamestehen,
Land der HierkönnteIhrNamestehen,
Land der HierkönnteIhrNamestehen zukunftsreich.

Der Schriftsteller Wolfgang Bauer hat in den 1990er-Jahren einen Text geschrieben, in dem jeder Gegenstand auch eine Markenbezeichnung hatte und dazu gesagt, er sei keiner jener Schriftsteller, die sich bei Bezahlung hinter eine Doppelmoral flüchteten. Gegen entsprechende Summen würde er sich sofort Wolfgang Pfanni Bauer nennen. Und liefern!

Vielleicht schafft es ein Schriftsteller eines Tages, in einen Untersuchungsausschuss geladen zu werden. Das Werbepotential wäre riesig. Erinnerungslücken können Schriftsteller auch haben. Und ein vergessener Laptop – warum nicht?