Smart City

Smart City

Roman

Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-630-87709-9
Luchterhand Verlag (München) 2025

https://www.penguin.de/buecher/daniel-wisser-smart-city/buch/9783630877099

Vorabdruck in der Tageszeitung Der Standard:

Die Stadt der Zukunft und ihre Schattenseiten

In seinem neuen Roman Smart City entwirft Daniel Wisser eine perfekte Stadt ohne Gewalt, Lärm oder Armut. Doch sein Protagonist stößt schnell auf die Schattenseiten von NEUDA. Ein Auszug:

www.derstandard.at/story/3000000284572/wem-geh246rt-die-stadt-der-zukunft

Textauszug:

Jetzt erst versteht Morag den Sinn der Smart City. Man kann die Menschen schon im Urlaub nicht alleine lassen, weil ihnen sonst langweilig ist und sie unzufrieden werden. Also gibt man ihnen Cluburlaube, wo man sie dazu animiert, zu tanzen, zu essen, Yoga zu machen oder Origami-Kurse zu besuchen. Die Menschen auf dem Land haben ein Haus und zwei Autos, mit denen sie andauernd einkaufen fahren. Aber das reicht nicht. Sie sind unzufrieden, schießen mit Gewehren auf Verkehrsschilder, bauen sich Bunker und verschanzen sich mit Dosennahrung in diesen Bunkern. Sie hassen den Staat, dem sie alles zu verdanken haben. Besser also, man sperrt sie in Smart Citys. Dort kann man die Wege überwachen, die sie gehen, verhindern, dass sie Bunker graben und sich für die Endzeit einrichten, man kann ihre Ernährungsgewohnheiten überwachen und sie vom Schweinefleischkonsum abhalten und ihnen Heuschrecken vorsetzen. Hier tragen sie Schuhe aus veganem Leder, halten sich für Umweltschützer und fühlen sich dem Rest der Welt überlegen. Sie glauben, dass sie alles erfahren, was in der bösen Welt draußen vor den Toren NEUDAs vor sich geht. Aber in Wahrheit reguliert man auch die Informationszufuhr genau. Sie erfahren vom Overtourismus in Venedig und Barcelona nur, damit sie zufrieden lächeln und sagen: »Das gibt es bei uns nicht.« Sie erfahren von Flüchtlingen in Lagern und auf Inseln nur, damit sie zufrieden lächeln und sagen: »In NEUDA gibt es keine Flüchtlinge.« Sie lesen von Demonstrationen mit schrecklichen Ausschreitungen, bei denen maskierte Jugendliche Präsidenten und Scheichs attackieren und Autos anzünden. All das gibt es in der Smart City nicht. All das kann es hier gar nicht geben.

An Daniel Wisser haben wir einen politischen Kopf, der Ideen in schlüssige Geschichten zu verwandeln vermag. Das ist eine seltene Kunst.

Anton Thuswaldner (DIE FURCHE)

Dieser Roman ist wie eine Glaskugel, in die wir schauen und dadurch erschaudern über das, was mit Fortschrittsverheißungen begann und in den Untergang der Menschlichkeit münden könnte. Erst die Monstrosität unserer Epoche verhilft diesem Text zu seiner vollen Schlagkraft. So smart diese City auch daherkommen mag, so froh muss man sein, dass wir (noch?) Herren unseres Handelns sind.

Björn Hayer (Cicero)

Dennoch ist dieses Buch keine Dystopie im Orwellschen Sinne, sondern das Experimentierfeld eines Autors, der weniger die finstere Zukunft im Auge hat, als die heutigen Möglichkeiten, sie zu verhindern. Beispielsweise durch Wahlen, die es in NEUDA tatsächlich noch gibt. Und genauso wie in Österreich, wo zur Jahrtausendwende die einst so mächtige Sozialdemokratie in dem Moment abgewählt wurde, als sie ihre zentrale Forderung nach allgemeinem Wohlstand in die Tat umgesetzt hatte, könnte es irgendwann auch einmal sein, dass die Orbans, Ficos, Trumps und Kickls auf gleiche Weise verschwinden. Nämlich dann, wenn ihre Ziele tatsächlich Realität werden. Das ist der kleine Hoffnungsschimmer, den uns Daniel Wisser bietet inmitten einer immer totalitärer werdenden Welt. Jedenfalls in seiner höchst lesenswerten Smart City.

Michael Luisier (SRF)

416 Seiten vergehen im Flug, holt euch das Teil.

Ronny Putzke (Kulturexpresso)

Daniel Wisser hat damit jedenfalls einen Polit-Thriller geschrieben, wie er in seiner britisch-amerikanischen Ausprägung in Österreich relativ selten ist, aber doch in den 1990er Jahren etwa von Josef Haslinger vorgelegt wurde. […] Ziel des Autors war ganz offenkundig, nicht nur zu unterhalten, sondern auch wieder zu einer politisch engagierten Literatur zu finden, die sich herausnimmt, nicht nur Zukunft unheilvoll zu antizipieren, sondern auch vor der Gegenwart zu warnen.

Clemens Ruthner (Ö1/Exlibris)

Der Roman ist in einer Montagetechnik erzählt, bei der Interviewprotokolle rund um das Erscheinen des ominösen Timeline-Artikels einerseits und das spätere Verschwinden der Journalistin Morag Oliphant andererseits sich mit der ansonsten großteils chronologisch erzählten Handlung abwechseln. […] Smart City bezieht seine Spannung nicht nur aus der Handlung selbst, sondern auch aus dieser ausgeklügelten Montage verschiedener Zeit- und Wahrnehmungsschichten und den so entstehenden Widersprüchen, den immer wieder etwas gedrehten Perspektiven und der gesamten Alltagskulisse rundherum.

Sabine Dengscherz (Literaturhaus Wien)

Dass auch an dieser schönen neuen Welt etwas faul ist – so wie wohl an jeder, die uns die Literatur nicht erst seit Huxley hinterhältig vorführt –, merkt man schon zu Beginn von Daniel Wissers Roman Smart City. Aber erst am Ende wird so richtig deutlich, was mit der sichersten, saubersten und nachhaltigsten Stadt der Welt nicht stimmt. Sie ist nämlich nicht nur ein Auffangbecken für skrupellose Politiker und Gewalttäter in Security-Uniformen, sondern auch für durchgeknallte Landeier, die normalerweise mit Gewehren auf Verkehrsschilder schießen, sich in Bunkern verschanzen und den Staat hassen, dem sie alles zu verdanken haben.

Jan Wiele (FAZ)

Der 1971 geborene Daniel Wisser, der schon früher durch einen scharfen Blick auf gesellschaftliche Konflikte auffiel, lässt seinen neuen Roman nicht in utopischer bzw. dystopischer Ferne spielen.

Rainer Moritz (Die Presse)

Im deutschsprachigen Literaturbetrieb zählt Daniel Wisser zu den gefragtesten Schriftstellern Österreichs. Wisser steht für gesellschaftskritische Literatur mit großem Unterhaltungswert. Das gilt auch für seinen morgen erscheinenden Roman mit dem Titel Smart City. Digitale Überwachung, Privatisierung des öffentlichen Sektors und gesellschaftliche Solidarität – mit Smart City hat Daniel Wisser dringliche Themen der Zeit in einen mitreißenden Krimiplot gepackt.

Alice Pfitzner (Zeit im Bild)

Eine unheimliche und spannende Lesereise in der Geisterbahn.

Christian J. Winder (Tiroler Tageszeitung)

In schnörkellosen Sätzen entwirft Wisser das satirische Porträt einer Gesellschaft, die bereit ist, persönliche Freiheit zugunsten von Sicherheit aufzugeben – und dabei auch in Kauf nimmt, dass die Demokratie immer mehr ausgehebelt wird. Mit eingestreuten Verhörprotokollen erhöht er die Spannung. Sein neuer Roman changiert zwischen Politsatire und Kriminalroman und erzählt letztlich mehr über die Gegenwart als die Zukunft.

Marianne Fischer-Ringhofer (Kleine Zeitung)

Sehr wahrscheinlich liest man den Roman als österreichischer Leser noch einmal anders, erkennt Bezüge zu Orten, Personen und Begebenheiten klarer. Aber eigentlich ist dies gar nicht nötig, denn NEUDA könnte beinahe überall liegen und die Geschehnisse in der Planstadt führen in eindringlicher Weise vor Augen, worauf wir beinahe überall in Europa – sei es durch den immer stärker werdenden Einfluss rechter Parteien und Organisation, sei es aus Ignoranz und mangelnden Gegenwehr – zusteuern: den Verlust von wahrer Demokratie.

Thomas Gisbertz (Belletristik Couch)

Wer hier wohnen will? Ziemlich viele. Zu Beginn des Romans hat NEUDA 17.953 Einwohner, in anderen Bundesländern sind weitere Smart Citys geplant. Die Versprechen von Sicherheit, Lebensqualität und harmonischem Zusammenleben sind den Menschen mehr Wert als Eigenständigkeit und Gerechtigkeit.

Barbara Beer (Kurier)

Wissers Stil ist klar und präzise, fast so geradlinig wie die rechtwinklig angeordneten Straßen in NEUDA. Figuren werden immer mit Vor- und Nachnamen genannt, was anfangs gewöhnungsbedürftig ist (und gebrochen wird, sobald wir Figuren von außerhalb der Stadt begegnen). Der Roman ist im Präsens erzählt und beschreibt genau das, was wir auch auf den Überwachungskameras der Stadt beobachten könnten.

Jenny Blochberger (FM4)

In der Timeline sind die erfolgreichsten Artikel jene, die von der KI für einfache Sprache bearbeitet wurden. Auch an Smart City wirkt manches künstlich. Nicht nur die Namensgebung. Wer sich über den Namen Morag Oliphant nicht wundert, denn darf auch nicht überraschen, wie in dem Roman der österreichische Bundeskanzler heißt: Gawan Rindfleisch. Er wird wegen Bestechlichkeit verurteilt.

Wolfgang Huber-Lang (APA)

Im Kern handelt der fernsehfilmtaugliche Plot in Smart City also vom altbekannten Teufelspakt zwischen Macht und Geld. Oder genauer: zwischen Spitzenpolitik und Raubtierkapitalismus 3.0. Allerdings gibt Wisser dem Kungel-Thema einen neuen, zeitgemäßen Dreh, indem er daraus eine feministische Befreiungsgeschichte macht.

Gisa Funck (Deutschlandfunk)