04.01.2026 – Metamorphosen I:0 (Proömium)

Nachdichtung der Metamorphosen

(Buch I, 0)

 

Ich habe damit begonnen, die Metamorphosen des Ovid zu übersetzen – oder besser nachzudichten. Denn gute Übersetzungen gibt es genug. Und es gibt auch schon Nachdichtungen, allerdings alle im Hexameter, diesem Versmaß, das – Klopstock, Goethe und Schiller mögen darin brilliert haben, wie sie wollen – im Deutschen immer im Walzertakt daherkommt.

Ich habe als Versmaß den fünfhebigen Trochäus ausgewählt, den ich besonders von den Gedichten Ror Wolfs kenne. Aber auch Heimito von Doderers bekanntes Gedicht auf die Strudlhofstiege (ebendort auch auf einer Tafel lesbar) ist in diesem Versmaß geschrieben.

Manchmal verwene ich statt fünf Hebungen sechs oder nur vier. Das korrespondiert damit, dass Ovid in seinem Hexameter eine Zäsur nach der dritten Hebung bevorzugt, sie aber manchmal nach der vierten und seltener nach der zweiten Hebung setzt.

Da ich diese Nachdichtung schreibe, um die Texte selbst auswendig zu können und so die Texte immer bei mir (also in mir) zu haben, verzichtet sie nicht auf den Reim.

Proömium

in nova fert animus mutatas dicere formas
corpora di coeptis nam vos mutastis et illas
adspirate meis primaque ab origine mundi
ad mea perpetuum deducite tempora carmen

Dieses Buch soll von Gestalten handeln,
die in neue Körper sich verwandeln.
Götter! Inspiriert mich und gestattet –
Ihr, die diese erst verwandelt hattet -,
dass mein Lied vom Anbeginn der Welt
bis herauf in meine Zeit erzählt.

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