Gurkenpreis
Der Korrespondent Huitzinger saß in einem Kaffeehaus und hatte nur mehr zwanzig Minuten, um seinen Artikel über den horrend gestiegenen Gurkenpreis und eine Protestkundgebung der Gurkenbauern in Retz fertigzustellen, konnte sich aber nicht konzentrieren, da am Nachbartisch ein sichtlich angeheiterter Mann den Umsitzenden lautstark erklärte, er sei der Archäologe Czech-Czechenherz und habe vor Kurzem bei einem Flug über Wien eine unterirdische Keltenstadt auf dem Leopoldsberg entdeckt. Huitzinger wusste, dass die Angaben dieses Herren mit einer gewissen Reserve aufzunehmen waren und nicht für einen Artikel taugten. Ihn beschäftigte auch nicht die Angeberei des Mannes, er war nur sicher, ihn schon einmal gesehen zu haben, und versuchte sich zu erinnern, wo und wann das gewesen sein könnte. Erst als er das Kaffeehaus verlassen hatte und in die Redaktion ging, fiel ihm ein, dass er demselben Mann einmal in einer Stehweinhalle in Hernals begegnet war. Dort hatte er sich vor anderen Zechenden als der Schiffskapitän Piwonka ausgegeben. Da Huitzinger kurz davor in einer französischen Zeitung gelesen hatte, dass sich die Weltumsegelungsexpedition von Piwonka gerade in Suriname aufhielt, stellte er sich als Nachrichtenkorrespondent vor und fragte den angeblichen Piwonka, wie er denn zur selben Zeit in Suriname und in Hernals sein könne. Der Mann antwortete, indem er sich an die Gesellschaft an seinem Tisch wandte: »Ach, der Herr Reporter stellt sich eine Weltumsegelung anders vor, als sie tatsächlich ist.« Der Artikel Huitzingers über den Gurkenpreis wurde in der Redaktion reserviert aufgenommen. »Ein Artikel über den Gurkenpreis«, sagte der Chefredakteur. »Anscheinend ist wirklich Saure-Gurken-Zeit in den Nachrichten.«