Zeppelin
Wie viele andere war auch der Schneider Mancuso aus Caldwell, Ohio, in den Morgenstunden des 3. September 1925 nach Ava zur Absturzstelle des Zeppelins Shenandoah gefahren. Dort verlangte der Bauer, auf dessen Feld der größte Teil des Wracks lag, bereits 50 Cent Eintritt pro Person. Längst waren dort fliegende Händler unterwegs, die Trinkwasser, Bier und Limonade zu überhöhten Preisen verkauften. Doch das schreckte die Menschen nicht ab, die auf die Jagd nach Souvenirs gingen, Wrackteile, Teile der Messgeräte aus dem zerschellten Führerhaus und Habseligkeiten der verunfallten Crewmitglieder der Shenandoah mitnahmen. Mancuso fand dort zwei zerfetzte wetterfeste Anzüge. Am darauffolgenden Tag schneiderte er daraus eine Hose und eine Jacke. Einer Kundin, die gerade zwei geänderte Kleidungsstücke abholte, gefiel vor allem der Stoff von Hose und Jacke so gut, dass sie trotz eines sehr hohen Preises für das wetterfeste Material eine Anzahlung hinterlegte und die Sachen am nächsten Tag abholte. Doch kaum hatte Mancuso sie verkauft, plagten ihn Gewissenbisse. Er fürchtete, Opfer eines Zeppelinunglücks zu werden, obwohl er nie mit einem Zeppelin geflogen war und es sich auch nicht leisten konnte. Es würde eben ein anderes Unglück sein, das ihm als Strafe für seine Diebstahl zustoßen würde. Mancuso vermied es, die Schneiderwerkstatt überhaupt zu verlassen. Aber auch in der Werkstatt gab es all diese Scheren und Messer und Nadeln. Er war nicht mehr sicher. Und es geschah ihm recht.