Mangotrick

Mangotrick

 

Viele Jahre lang hatte die Bevölkerung von Sinntal-Sterbfritz an der Nord-Süd-Strecke zwischen Fulda und Würzburg auf die Inbetriebnahme eines Eisenbahntunnels gewartet, der in Zukunft dafür sorgen sollte, dass die Lärmbelästigung, die von der Durchfahrt von Zügen auf der Bahnlinie, die mitten durch das Ortsgebiet führte, der Vergangenheit angehörte. Als der Tunnel zwei Jahre später als geplant endlich eröffnet wurde, erkrankten mehr als vierundfünfzig Prozent der Bevölkerung an akuter Schlaflosigkeit. Sie warteten umsonst auf das beruhigende Rauschen des Donau-Kuriers von Dortmund nach München, das metallische Zischen des Intercity von Frankfurt nach Fulda, das angenehme Heulen und fernweherzeugende Pfeifen des Ostende-Wien-Express und sie konnten einfach nicht einschlafen. Der Sterbfritzer Musiker Johann Schneider produzierte damals eine Langspielplatte mit dem Titel Durchfahrt des Ostende-Express, auf der die Geräusche eines durchfahrenden Zuges zu hören waren. Diese Langspielplatte war im Juni 1982 in Hessen so beliebt, dass sie den Hit Rosemarie von Hubert Kah vom zweiten Platz in den Charts verdrängte. Johann Schneider wurde damit der zweitberühmteste Sterbfritzer nach dem Fotografen Josef Schneider, der den berühmten Mangotrick des indischen Fakirs Singh, der damals durch ganz Deutschland reiste und seinen Trick, bei dem aus einem Mangokern vor den Augen des Publikums in wenigen Minuten eine Pflanze von einem halben Meter wuchs, auch in Sterbfritz zeigte, mithilfe einer Reihe schnell aufeinanderfolgender Fotografien als Humbug entlarvte.