Journal

14. Dezember 2020

Das ist der Beginn eines Tagebuchs. Wenn ich es schaffe, es auch morgen noch zu führen, habe ich meinen Schnitt von 1,2 Tagen pro begonnenem Tagebuch schon überboten. Das Problem ist: Was soll im Tagebuch aufgeschrieben werden? Und das noch größere Problem: Was soll nicht aufgeschrieben werden?

Unlängst bin ich über einen Artikel über Jack London gestolpert. Jack London ließ sich für seine Kurzgeschichten Plots vom jungen Sinclair Lewis schicken. Wenn er einen davon brauchen konnte, zahlte er Lewis dafür 5,20 Dollar und machte daraus eine Kurzgeschichte. Er hatte aber panische Angst, Lewis könnte vergessen, dass er London den Plot verkauft hatte, und daraus selbst einen Text machen. Diese Sorge war aber unbegründet, denn Sinclair Lewis war trotz seines Alkoholismus ein äußerst penibler und fleißiger Verwalter seines Werks und seiner Notizen.

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46265864.html

Vielleicht sollte ich also jemanden suchen, der mir seine Tageserlebnisse schickt, damit ich daraus ein Tagebuch machen kann. Wenn ich 5,20 Euro bezahle, würde mich ein Jahr 1898,00 Euro (ein Schaltjahr 1903,20) kosten.

Da ist es klar, dass Schriftsteller, die bei Investitionen vorsichtig sind, zu Naturbeschreibungen greifen. Übrigens ist heute morgen beim Nahsehen — so nenne ich das Blicken aus meinen Fenstern, von denen mir jedes als eigener Nahsehkanal dient — aufgefallen, dass der Himmel über der Schreygasse tatsächlich dramatisch ist. In dem kleinen Buch über häufige Fehler beim Schreiben gibt es ein Kapitel mit dem Titel Don’t describe sunsets! Also lasse ich die Beschreibung und versuche ein Foto mit dem Smartphone zu machen. Diese Wolken. Ich nenne sie: Elomen Elomen Lefitalominal.

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Zuerst veröffentlicht unter

Blog Daniel Wisser