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Unter dem Fußboden

Kugel

Kugel

 

Im Alter von fünfunddreißig Jahren wurde Abraham Eisler bei den ungarischen Kämpfen im Jahr 1848 schwer verletzt, als eine Kugel in seinen Kopf drang. Die Ärzte suchten nach der Kugel, fanden sie aber nicht und trugen der Krankenschwester in dem Glauben, Eisler werde nur noch wenige Stunden leben, auf, den Verwundeten zu verbinden. Doch Abraham Eisler verließ bald danach das Lazarett. Und während der behandelnde Arzt und die Krankenschwester in den folgenden Jahren starben, erlebte Eisler die Entdeckung des Rubidiums, die Erfindung der Pizza durch Raffaele Esposito, die Eröffnung der Eisenbahnlinie zwischen der Delagoabucht und Transvaal durch Paulus Ohm Krüger, die Niederschlagung des Mahdi-Aufstands, die Auszeichnung der Znaimer Dörrgemüse-Fabrik mit einer Goldmedaille auf der Ausstellung für Küche und Keller in Wien und die Ermordung des amerikanischen Präsidenten William MacKinley, der den Verletzungen von zwei Kugeln erlag, von denen eine sein Brustbein traf, die andere seinen Magen durchschlug, jedoch bei der chirurgischen Behandlung nicht in MacKinleys Körper gefunden werden konnte. Erst als man bei Eisler nach seinem Tod im Jahre 1902 eine Autopsie durchführte, stieß man auf die Kugel in seinem Kopf. Seine Urenkel versicherten, Abraham Eisler sei bis zu seinem Tod bei guter Verfassung gewesen und habe meisterhaft kopfrechnen können und sogar die Zinsrechnung für Hypothekardarlehen im Kopf beherrscht. Zwischen den Rechenaufgaben soll er manchmal ausgerufen haben: »Wir werden es diesem Jelačićs schon zeigen!« Die Nachfahren verstanden aber weder, was Eisler damit meinte, noch wer dieser Jelačićs sein könnte.

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Anaximander und Anaximenes

Anaximander und Anaximenes

 

Als der Kabarettist Wagramer die Bühne betrat, um zum ersten Mal sein neuestes Programm zu spielen, erhob sich im Publikum lautes, lang anhaltendes Gelächter. Erst nach einigen Minuten konnte Wagramer den ersten Satz beginnen: »Die Vorsokratiker Anaximander und Anaximenes …« — Wieder begann das Publikum zu lachen, so dass man nicht wusste, ob Wagramer weiterredete und wegen des Gelächters nur nicht gehört werden konnte, oder ob er seinen Satz unterbrochen hatte, um das Ende des Gelächters abzuwarten. Vor Kurzem soll Wagramer beim Begräbnis des Filmproduzenten Stiglitz gesehen worden sein. Als er am Grab stehend erkannt wurde, soll sich unter den Trauergästen lautes Gelächter erhoben haben. Als Einigen nach der Beisetzung an einer Würstelbude stehen blieben, sagte der Wurstverkäufer aufgrund ihrer Ausgelassenheit zu ihnen: »Na, die Herren, waren wir beim Heurigen?« — Und einer der Trauergäste antwortete: »Nein, den Stiglitz haben wir begraben.«