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Unter dem Fußboden

Unter dem Fußboden

 

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass Gegenstände, die auf dem Fußboden liegen, auf Gegenstände hinweisen, die sich unter dem Fußboden befinden. Und doch hat die Mehrheit der Menschen Angst davor, dass die Hörner des Teufels durch den Boden stoßen, längst verlegte belegte Brote oder Tramezzini auftauchen oder Vergrabenes oder Verstecktes wieder sichtbar werden könnte. Die Menschen sehen in den Gegenständen unter den Fußböden und Rasenflächen meist unheilvolle Dinge, die Katastrophen, Unglücke, Tod oder Verdammnis bringen. Nur wenige sehen wirklich nur das, was sich tatsächlich auf dem Fußboden befindet. Diese Menschen haben keine Angst vor den Dingen. Sie betrachten sie mit Neugier und sagen zum Beispiel: »Eine schöne Wohnung haben Sie!«

Mondschein

Mondschein

 

»Wir leben auf einem Haufen von Leichen und dieser Leichenhaufen, auf dem wir leben, liegt wieder auf einem Haufen von Leichen und so weiter und so fort.« Diesen Satz sagte der Wiener Dichter Waldmeister wieder und wieder zu sich selbst, hielt ihn aber zunächst für ein poetisches Bild, für den Ausdruck Waldmeisterscher Melancholie. Dann erfuhr der Dichter Waldmeister, dass die Mondscheingasse, in der er lebte, 1783 auf dem Areal des von Joseph II. aufgelassenen Friedhofs St. Ulrich errichtet worden war. Mehr noch: Beim Bau der Mondscheingasse stieß man auf ein unter dem Friedhof St. Ulrich liegendes Gräberfeld. »Leichen über Leichen über Leichen, sagte Waldmeister zu sich selbst. Oder siehst du hier irgendwo den Mondschein?«