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Bildbilder

BILDBILDER (Nita Tandon & Daniel Wisser)

Kunstraum Nestroyhof, Nestroyplatz 1, 1020 Wien

von 28. September – 5. November 2016

mit täglicher Textperformance MARMOR (20 min.) von Daniel Wisser

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Näheres zur Ausstellung:

http://kunstraum-nestroyhof.at/aktuell/bildbilder/

Termine der Textperformance MARMOR:

http://kunstraum-nestroyhof.at/aktuell/termine-der-textperformances-marmor-von-daniel-wisser-25/

Daniel Wisser

MARMOR

Der Baurat Oskar Marmorek, Architekt des Nestroyhofs und des Rüdigerhofs in Wien, wurde zornig, wenn jemand darauf hinwies, dass Marmorek Architekt sei und sein Name das Wort Marmor enthielt. Nomen est omen, sagten dann manche, die sich für klug hielten. Nomen est nomen, sagte Marmorek darauf meist mürrisch. Als Marmoreks Vater Josef im Jahr 1900 verstarb, errichtete Oskar Marmorek auf dem Wiener Zentralfriedhof ein von einer Blätterkuppel in der Art der Kuppel der Wiener Secession gekröntes Grabmal. Am 6. April 1909 erschoss Oskar Marmorek sich vor dem Grab seines Vaters. Heute ist der Grabstein in der Mitte gebrochen. Vom Schriftzug des Namens von Marmoreks Vater sind nur die Buchstaben SEF MARMOR übrig.

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Grabmal von Josef Marmorek (errichtet 1990 von Oskar Marmorek) auf dem Wiener Zentralfriedhof, Foto: Daniel Wisser (August 2016)

Daniel Wisser

VORHANG

Wenn die Handelsangestellte Gaspar am Nachmittag auf dem Sofa lag, sah sie, wie sich der Vorhang im Wohnzimmer bewegte. Sie holte eine Dose Katzenfutter, öffnete sie und leerte den Inhalt in den Futternapf. Wenn die pensionierte Handelsangestellte Gaspar an ihrem Kleid zupfte, versuchte sie, Haare ihrer Katze Minka, die dreißig Jahre zuvor gestorben war, zu entfernen. Pünktlich um 18:00 Uhr goss sie für ihren Mann eine Schale Lindenblütentee auf und stellte sie auf den Servierwagen im Wohnzimmer. Der Lindenblütentee wurde kalt. Wo nur ihr Mann wieder blieb? Bestimmt suchte er im Garten nach der Katze.

Aus der Eröffnungsrede von Patricia Grzonka:

Eine Ausstellung, die man nicht teilen kann

Kein Facebooktwitterinstagramdings, sondern etwas anderes: Etwas, das sich einer slicken Social Media-Verwertbarkeit widersetzt. – Eine These.

Nita Tandon und Daniel Wisser arbeiten beide mit analogen Medien, aber nicht nur. Sie reflektieren über das Verhältnis von Vorlage – sei sie digitaler oder analoger Natur – und deren Wiedergabeprozess, indem sie eine Unmittelbarkeit der Darstellung suchen, die oft die Erwartungshaltung und die Aufmerksamkeitsspanne des durchschnittlichen Kunstkonsumenten oder der Kunstkonsumentin übersteigt. Es ist also ein Aufmerksamkeitsokönomiedings, um das es hier geht, auch wenn dies nicht explizit in den Werken beider Künstler ausgedrückt ist. Es geht darum, uns mit einem Zeitbegriff zu konfrontieren, der uns abhanden gekommen ist, weil er uns im Grunde strapaziert. Zeit, für die Wahrnehmung eines Bildes und Zeit, um aufmerksam einer Stimme zuzuhören, die eine Stunde ununterbrochen spricht. Und dieses Aufmerksamkeitsökonomiedings, wie ich es nenne, ist eine aktuelle Forderung, und dies obschon der Begriff Ökonomie der Aufmerksamkeit, der von Georg Franck stammt, bereits vor der Zeit der ersten Facebook-Programme entstanden ist.

Webseite von Patricia Grzonka:

https://patriciagrzonka.net/

Fotos von der Eröffnung der Ausstellung am 28.09.2016

(c) Kay von Asperneroe_01

 

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