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Königin der Berge – Buchpremiere

Mi 26.09.2018 20:00

Buchpremiere

Daniel Wisser

Königin der Berge

Lesung, Gespräch, Party

Ort: TAG (Theater an der Gumpendorfer Straße), Gumpendorfer Straße 67, 1060 Wien

Eintritt frei

»Wenn es eine Seele gäbe, würde ich mir dort ein Piercing machen lassen.« Pflegeleicht ist unser Held nicht. Dabei wäre es so einfach, ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen …

Robert Turin, Mitte vierzig, will in der Schweiz sterben, denn dort könnte er selbst bestimmen, wann es so weit ist. Lieber noch wäre es ihm, er wäre nicht unheilbar krank, aber an der Diagnose ist nicht zu rütteln: Multiple Sklerose. Um seiner Frau nicht zur Last zu fallen, übersiedelt er in ein Heim, freiwillig und vor der Zeit. Doch pflegeleicht ist der verschrobene Patient nicht, das merken die Schwestern bald. Während sich sein Zustand verschlechtert, beschließt er, seinem Leben ein Ende zu setzen, bevor es zu spät ist. Doch so einfach ist das nicht: So wie er im Alltag auf Unterstützung angewiesen ist, um vom Bett in den Rollstuhl zu kommen, damit er in der Kantine sein tägliches Quantum Wein trinken kann, braucht er auch zum Sterben Hilfe. Aber wer fährt ihn in die Schweiz? Und wie kann er ihn (besser: sie) dazu bringen? Turin versucht es mit Charme, denn wie Uber funktioniert, kann ihm keiner sagen …

Herzzerreißend komisch erzählt dieser Roman von den letzten Dingen – und den vorletzten und vorvorletzten, vom Leben in seiner schrecklichen Schönheit und der Unmöglichkeit zu sagen, wann man es gut sein lassen kann.

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TAG

Jung & Jung

 

Immerhin war gestern gestern

Immerhin war gestern gestern

Als Aya sich wieder zu mir dreht, gesteht sie, dass sie ihre Mutter vermisst. Sie zeigt mir ein Foto von ihr auf dem Mobiltelefon und küsst das Display. Wäre heute gestern, sagt Aya, könnte sie noch neben mir sitzen.

Wäre heute gestern, sage ich, dann würde es immer noch regnen. Kannst du dich an die heftigen Regenfälle gestern erinnern? Wir konnten nicht einmal hinausgehen, um einzukaufen, wir konnten nicht schwimmen gehen, nicht in der Sonne liegen und der Regen schlug stundenlos erbarmungslos auf das Dach wie auf eine indische Trommel. Und wäre heute gestern, dann müssten wir noch unsere Koffer packen. Außerdem, sage ich zu Aya, wäre dann das Wiedersehen mit der Mama einen Tag weiter entfernt. Von heute aus gesehen sind es nur mehr sechs Tage. Wäre heute gestern, dann wären es ganze sieben Tage.

Aya blickt sehr nachdenklich aus dem Fenster. Wir fahren an einem See vorbei, nur selten unterbricht ein Waldstück den Blick auf das ruhige Wasser. Der Wald am anderen Seeufer spiegelt sich im Wasser, sodass sich lauter kleine Rorschachbilder ergeben, die aussehen, wie die Wellengrafik im Soundbearbeitungsprogramm. Wir können zufrieden sein, denn immerhin war gestern gestern.

Immerhin war gestern gestern

Wäre heute gestern
würden wir noch Hände halten
und im Moorsee schwimmen
und bei Wind die Zehen falten.

Regen fiel aus Vogelnestern.
Alle Menschen waren Schwestern.
Immerhin war gestern gestern.
Immerhin war gestern gestern.

Wäre heute gestern
redeten wir Volapük,
sagte ich löfob oli,
doch wir können nicht zurück.

Regen fiel aus Vogelnestern.
Alle Menschen waren Schwestern.
Immerhin war gestern gestern.
Immerhin war gestern gestern.

Wäre heute gestern
ohne Grabspruch, ohne Schwur,
ohne Smiley und Emoji,
ohne Autokorrektur.

Regen fiel aus Vogelnestern.
Alle Menschen waren Schwestern.
Immerhin war gestern gestern.
Immerhin war gestern gestern.

 

 

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