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Wir bleiben noch

Wir bleiben noch

Roman

München (Luchterhand) 2021

ISBN 978-3-630-87644-3

https://www.randomhouse.de/Buch/Wir-bleiben-noch/Daniel-Wisser/Luchterhand-Literaturverlag/e570635.rhd

erscheint am 8. März 2021

Mit hinreißend lakonischem Witz erzählt Daniel Wisser von vier Generationen einer Familie, durch die sich die Gräben eines ganzen Landes ziehen. Er zeichnet das Bild einer Gesellschaft, der langsam dämmert, dass sich der Traum vom ungebremsten Fortschritt gegen sie wendet.

Die Welt um Victor Jarno hat sich verändert — und wie immer hat er es zu spät bemerkt. Victor ist Mitte vierzig, kinderlos und der letzte Sozialdemokrat in einer Wiener Familie mit sozialistischen Wurzeln bis in die Kaiserzeit. Nur scheint sich niemand daran zu erinnern, selbst seine Mutter und seine Tante hat der politische Rechtsruck erfasst. Mit der Rückkehr von Victors Cousine Karoline aus dem Ausland, flammt eine dreißig Jahre alte heimliche Liebe wieder auf: Beide verachten e-Scooter, Stand-up-Paddling und die regierenden Rechtsparteien. Doch als aus ihnen ein Paar wird, droht die Familie an dem Skandal zu zerbrechen. Noch dazu vererbt ihnen die Großmutter vor ihrem Tod ihr Haus auf dem Land, in das Cousine und Cousin nun zum Missfallen ihrer Eltern, die das Haus gerne geerbt hätten, einziehen. Was aber lässt sich in einer Welt, in der ihre Ideale im Niedergang begriffen sind und ihre Familie zerbricht, noch retten?

 

18.12.2020 – Nicht manipulierte politische Diskussion

18. Dezember 2020

Der Blog wird in der geschichtlichen Betrachtung der 20er-Jahre des 21. Jahrhunderts jene Form gewesen sein, in der Wahrhaftigkeit und Gültigkeit (für kurze Zeit) noch möglich waren. Das wird aber nur Einträge betroffen haben, die unmittelbar verfasst und unmittelbar nach ihrem Verfassen gelesen worden sein werden. Der historische Blogeintrag, der schon ewig im Netz steht, in jenem Netz, das angeblich nichts vergisst, wird unter dem Verdacht der nachträglichen Manipulation stehen. Die einstige Wahrhaftigkeit wird in der jeweiligen Gegenwart als später erfolgte Adaption an später herrschende Anforderungen gelesen werden.
Der Tagebuchschreiber muss also den zukünftigen Blick auf die Gegenwart als spätere Vergangenheit vorausahnen. Es ist interessant, dass wir keine Geduld für die Sprache von gestern mehr aufbringen. Dass wir die Texte von gestern nur in der Übersetzung ins Heutige unter Streichung aller nicht-zumutbaren Stellen (und unter Änderung aller nicht-zumutbaren Wörter in zumutbare Wörter lesen wollen) und in dieser gegenwärtigen Abänderung mehr Authentizität vermuten als im Verfassen des Originals.
Nicht manipulierte politische Diskussion und Analyse findet (fast) nur mehr in Blogs statt. Es kommt mir seltsam vor, dass ich das schreibe. Ich konnte Blogs und Blogger eigentlich nie leiden. Und die Vorstellung einer jederzeit möglichen Änderung eines bereits veröffentlichten Texts empfinde ich als Bedrohung.

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Zuerst veröffentlicht unter

Blog Daniel Wisser