Hellseher
Einen Tag nach dem Ausbruch des berüchtigten Räubers Tönnesen aus dem Gefängnis von Christiania bat die Polizei den Hellseher Emil Knudsen, ihr bei der Suche nach Einar Tönnesen zu helfen. Knudsen trat vor die Landkarte, die die Polizeibeamten in ihrem Büro hängen hatten, und machte darauf mit einem Bleistift vier Kreuze. An drei der von Knudsen markierten Stellen fand man Teile der Beute des Räubers; an der vierten Stelle traf man Tönnesen selbst an und konnte ihn festnehmen. Nachdem Zeitungen in ganz Europa über diesen Fall berichtet hatten, tauchten in allen Ländern vermehrt Trickbetrüger auf, die sich als Hellseher ausgaben. In Oberösterreich wurde der Wanderhändler Ernst Swoboda, der sich als Hellseher mit dem Namen Giusta Trummer ausgab, einen südländischen Akzent vortäuschte und behauptete, Schwede zu sein, von der Polizei festgenommen. Er hatte mehreren älteren Damen ihre Zukunft vorhergesagt, ihre Milch gesegnet, ihnen erklärt, er sei der Neffe von Kardinal Innitzer und auf dem Weg nach Rom, um Buße zu tun, und ihnen dann einen beachtlichen Geldbetrag abgeknöpft, wobei er versichert hatte, er brauche das Geld nur, um den Gewerbeschein für seine Arbeit als Hellseher zu lösen. Auf Nachfrage sagte er seinen Opfern oft die Lotteriezahlen der kommenden Ziehung oder das Wetter für den nächsten Tag voraus. Seine Vorhersage war kein einziges Mal richtig.