Umrundung
Der Glaube, dass die dreifache Umrundung des Berges Kailash im Himalaya ein Akt der höchsten Gottesverehrung ist und alle negativen Auswirkungen, die das Handeln eines Menschen hervorgebracht hat, tilgt, vereint gläubige Hindus und Anhänger der tibetischen Bön-Religion. Allerdings glauben die Hindus, dass der Berg so umrundet werden muss, dass die rechte Hand auf den Gegenstand der Verehrung zeigt, also im Uhrzeigersinn. Sie bezeichnen diesen Ritus als Parikrama. Die Bön hingegen glauben, dass die Kora, die Umrundung, gegen den Uhrzeigersinn zu erfolgen hat und nur dann die erwartete Wirkung auf das Seelenheil des Pilgers zeigt. Am 24. Mai führte eine Begegnung zweier Pilgergruppen kurz vor – oder aus Sicht der Hindus kurz nach – dem kleinen Dorf Darchen zu einer hitzigen Diskussion, die beinahe zu Tätlichkeiten geführt hätte. Die Mitglieder beider Gruppen wiederholten in kurzen Abständen dasselbe, nämlich: »Ihr geht in die falsche Richtung! Ihr geht in die falsche Richtung!« Und das war nicht das letzte Mal, dass die beiden Gruppen einander begegneten. Der Fotograf Johnson, der auch Jackson genannt wird, hatte bei der Umrundung des Millstätter Sees hingegen keine unangenehmen Begegnungen. Alle Menschen grüßten ihn freundlich. Nur ein Mann kam Johnson auf einem Fahrrad entgegen und rief: »Sie gehen auf der falschen Seite!«